Nr.5, Sommer 2018

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INHALT

RUSSLAND: Kundgebung gegen Rentenreform in Moskau
POLEN: Gewerkschafterin gewinnt vor Gericht
POLEN: Gewerkschaft ZSP-IAA kämpft weiter
SPANIEN: Boykott des Archäologischen Museums in Albacete
BANGLADESCH: 1. anarchosyndikalistische Konferenz der BASF
BANGLADESCH: Solidarität mit dem Kampf der Textilarbeiter*innen
BRITANNIEN: Rückblick auf 5 Monate Aktionen in Brighton
NIEDERLANDE: ASN-Workshop bei „Pinksterlanddagen“

Auch als PDF

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RUSSLAND
Kundgebung gegen Rentenreform in Moskau

Eine Gruppe von Aktivisten der KRAS-IAA nahm am 28.07. in der russischen Haupt­stadt an einer der landesweiten Protestde­monstration teil. Anlässlich der geplanten Rentenreform riefen sie mit schwarzen Fahnen zum Generalstreik auf, verteilten Flugblätter und diskutierten mit anderen Teilnehmer*innen.

Sie erklärten, dass die Mächtigen im Land solche rein symbolischen Kundgebungen und parlamentarische Stimmabgaben nicht zu fürchten brauchen, da nur eine allgemei­ne Arbeitsniederlegung in der Lage wäre, die Regierung in ihrem fortschreitenden Sozialabbau aufzuhalten.

Während einer Kundgebung in Rostow am Don kam es zu einem Konflikt als die stali­nistische Partei KPRF versuchte eine Grup­pe von Anarcho-Kommunist*innen von dem Protest auszuschließen – jedoch vergeb­lich, da sie einen anderen Weg fanden.

Bereits am 18.07. warben die Genoss*­innen der KRAS-IAA in Moskau auf einer Kundgebung gegen die Rentenreform für einen Generalstreik. Die Behörden hatten zwar wieder jede Art von Demonstration untersagt, aber einige Tausend Menschen gingen trotz des Versammlungsverbots auf die Straße, wordurch der Protest auf kleine­rem Raum begrenzt war.

(http://www.aitrus.info)

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POLEN
Gewerkschafterin gewinnt vor Gericht

Im Arbeitskampf bei der Discounter-Kette POLOmarket konnte eine Arbeiterin Anfang Juli vor dem Arbeitsgericht von Inowrocław
ihre geforderten Ansprüche durchsetzen.

Die Kampagne der Basisgewerkschaft ZSP-IAA , die vor allem mit direkten Aktio­nen gegen die Arbeitsbedingungen und Geschäftspraktiken in diesem Einzelhan­delsunternehmen kämpft, dauert nun be­reits über einJahr an und wird fortgesetzt.

(http://zsp.net.pl/kampanie/polo-market)

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POLEN:
Gewerkschaft ZSP-IAA kämpft weiter

Anlässlich des Jahreskongresses der polnischen Basisgewerkschaft hat diese einen Rückblick auf die Siege und Herausforderungen der ersten Jahreshälfte zusammengestellt:

Der Kongress, welcher normalerweise etwas früher im Jahr stattfindet, war auf­grund verschiedener Ursachen verschoben worden, unter anderem aufgrund des Repressionsdrucks gegen die Gewerk­schaftsaktivitäten. Die ZSP führt weiterhin eine Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Supermärkten, vor allem in der Auseinandersetzung mit PoloMarket (siehe oben). Dabei haben erneut die Arbeiter*innen mit „Beeinträchti­gungen“ eine große Rolle in der Arbeits­platzkampagne der Organisation gespielt.

Sie kämpfen für ihre vom Gesetz zugestan­denen Rechte, die ihnen von vielen Arbeit­geber*innen verweigert werden, welche nur Fördermittel abkassieren wollen und dabei glauben, dass die Kolleg*innen nicht für ihre Rechte kämpfen würden.

Eine direkte Aktion hat bereits dazu geführt, dass ein*e Arbeiter*in eine angemessene Entschädigungszahlung erhalten hat. Und eine Reihe von Gerichtsurteilen wurde das Unternehmen zugunsten der Arbeiter*innen entschieden.

Um diese zu entmutigen, wurden jedoch von der Supermarktkette auch falsche Anklagen erhoben – in einem Fall gegen eine Einzelperson und zwei weitere Ankla­gen gegen acht Leute.

Trotzdem hat die Gewerkschaft nicht die Absicht ihre Aktionen aufzugeben. Sie muss jedoch im Angesicht solcher Unter­drückungsmaßnahmen erstmal ihre Strate­gien zur Organisierung am Arbeitsplatz diskutieren. Für ein solches Vorgehen bekommen die Unternehmer*innen in Polen grundsätzlich Rückendeckung und sogar Unterstützung durch den Staat.

Dies war zum Beispiel der Fall bei der Postbehörde, wo eine Reihe von Entlas­sungen als Vergeltungsmaßnahme ausgesprochen wurden. In einem Fall hat ein*e Arbeiter*in eine sehr hohe Abfindung erstreiten können, möchte aber nicht mehr länger dort arbeiten, wegen der miesen Arbeitsbedingungen und der hohen Wahr­scheinlichkeit für Bestrafungen und Diskri­minierung bei Weiterbeschäftigung.

Die Postbehörde hatte sich wegen der anhaltenden Kampagne unserer Genoss*­innen gezwungen gesehen, die Löhne zu erhöhen. Dies ist definitiv ein Sieg, aber nur ein Teilerfolg. Denn die von den Arbeiter*­innen (unabhängig von den angepassten Gewerkschaften) aufgestellten Forde­rungen, wurden bisher nicht erfüllt.

Die Staatspost wehrt sich außerdem gegen die Anerkennung der Gewerkschaft, sogar gegen Gruppen von Arbeiter*innen, die sich entschlossen haben offiziell einzutreten. Dies ist jedoch nur eine förmliche Anerken­nung, denn nicht davon hängt ab, ob die Arbeiter*innen Stärke zeigen können (oder nicht), sondern ausschlaggebend für den gewerkschaftlichen Erfolg ist ihr eigenes Engagement (oder dessen Ausbleiben).

Diese langwierigen Kampagnen benötigen alle Aufmerksamkeit, da die ZSP im lezten Jahr weniger Aktionen in Bezug auf The­men wie Lohnraub organisiert hatte. Doch es gibt ein paar Erfolge auf diesem Gebiet, wie das Erkämpfen ausstehender Löhne bei einem Schuhgeschäft in Warschau.

Auch gab es siegreiche Aktionen gegen die Vorenthaltung von Krankentagen bei Unter­nehmen wie Amazon und einigen kleineren Firmen. Zudem wurden mit einer Gruppe indischer Arbeiter*innen Gespräche begon­nen, die angefangen haben, sich für ihre Arbeitsrechte einzusetzen.

Schließlich hat die Gewerkschaft auch ihre Aktivitäten auf anderen Gebieten fortge­setzt, was zu sehr konkreten Erfolgen geführt hat, darunter Ratsbeschlüsse zur Rückgängigmachung von Wohnraumpriva­tisierung und die erneute Übernahme einiger Gebäude durch die Stadt.

(http://:www.iwa-ait.org)

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SPANIEN
Boykott des Archäologischen Museums in Albacete

Gegen den regionalen Bildungs- und Kulturrat in Kastilien-LaMancha führt die Basisgewerkschaft CNT-IAA seit Mitte Juli einen Arbeitskampf. Das Allgemeine Syndi­kat ruft dabei nun auch zum Boykott des Provinzialmuseums für Archäologie auf.

Der für die Arbeitsbedingungen in der Be­hörde verantwortliche Provinzialdirektor Diego Pérez steht ebenfalls in der Kritik. Daher wurde anlässlich einer Festveran­staltung mit ihm eine Kundgebung organi­siert und hunderte Flugblätter verteilt.
Bei dem Konflikt wehrt sich eine Kollegin gegen geschlechtliche Diskriminierung, sowie gegen kapitalistische Ausbeutung und staatliche Untersdrückung. Mit diesem Akt der kollektiven Soldiarität und gegen­seitigen Hilfe soll deutlich gemacht werden, dass es nicht nur um vereinzelte Arbeits­kämpfe geht, sondern um einen gemein­samen Klassenwiderstand jenseits von Reformismus und Stellvertretungspolitik.

(https://cnt-ait-albacete.blogspot.com/)

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BANGLADESCH
1. anarchosyndikalistische Konferenz der BASF

Vor einigen Monaten wurde die erste freiheitliche Gewerkschaftsorgansiation in dem südasiatischen Land gegründet: die „Anarcho-Syndikalistische Föderation Bangladesch“ (BASF).

Die Genoss*innen der BASF planen den Aufbau einer landesweiten Organisation mit Gewerkschaften in unterschiedlichen Branchen. Bisher liegt ihr Zentrum in der Region Sylhet, wo einige ihrer Aktivist*­innen seit vielen Jahren die Tee-Arbeiter*­innen organisieren.

Das bedeutet, dass sie (jedenfalls zur Zeit) eine der wenigen anarchosyndikalistischen Organisationen ist, deren mögliche Basis aus Landarbeiter*innen besteht, anstatt aus Beschäftigten in anderen Produktions- oder Dienstleistungsindustrien.

Doch möchte sich die Föderation nicht da­rauf beschränken, sondern versucht auch Leute in anderen Bereichen zu organisieren.

Seit Kurzem gibt es eine Webseite der Bengalischen Anarchosyndikalist*innen (http://www.bangladeshasf.org), die nach eigenen Angaben aktuell Niederl­assungen in 52 Städten und Dörfern der asiatischen Republik hat. Gegründet wurde die Basisgewerkschaft von Tee-Arbeiter*innen, die sich vom autoritären Marxismus-Leninismus sowjetischer und maoistischer Prägung abgewendet hatten, um ab 2012 libertäre Ideen und Organisationsformen zu studieren.

Da es aber bisher keine anarchosyndika­listische Literatur in der Landessprache Bengalisch gab, haben sie im Internet zahlreiche fremdsprachige Texte zusam­mengetragen und die freiheitlich-sozia­listischen Ideen von Michael Bakunin, Ale­xander Berkman, Noam Chomsky, William Godwin, Emma Goldman, Peter Kropotkin, Errico Malatesta, Pierre-Joseph Proudhon, Max Stirner und Élisée Reclus gelesen.

Um den endgültigen Bruch mit den marxistischen Ideeen eines autoritären Staatskapitalismus zu vollziehen, haben sie am Ersten Mai 2014 einen organi­satorischen Neuanfang gewagt und aus dem Rat der Tee-Arbeiter*innen heraus entstand ein Aktionskomitee aus 23 Anarchosyndikalist*innen. Inzwischen ha­ben sie nach den Grundsätzen von Selbstverwaltung, Gegenseitiger Hilfe und Direkten Aktionen eine landesweite Föde­ration aufgebaut. Mit Unterstützung der australischen Anarcho-Syndicalist Fede­ration (http://asf-iwa.org.au) wollen sie sich nun der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation (iwa-ait.org) anschließen.

Auf ihrem neuen Blog bangladeshasf.org haben sie aus anarchistischer Gewerk­schaftssicht einige Texte zu dringenden gesellschaftlichen Themen veröffentlicht, wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Massenarmut, Kindersterblichkeit und Niedriglöhne. In diesem dichtbesiedelten und muslimisch geprägten Agrarland, das zu den ärmsten Staaten der Welt gehört, liegt der Tagesverdienst von Arbeiter*innen in der Teeindustrie nur bei etwa 0,83 Euro.

Daher ruft die BASF auch zu Devisens-Spenden auf, um mit globaler Unterstüt­zung ihre Basisgewerkschaft im Sinne eines freiheitlichen Kommunismus und unabhängig von politischen Parteien oder religiösen Organisationen weiter ausbauen zu können.

Die BASF hat nun Anfang Juli 2018 eine Konferenz durchgeführt, zu der die Gene­ralsekretärin der IAA aus Polen als Redne­rin eingeladen war. Etwa 60 Leute nahmen daran Teil; die meisten davon Frauen, die auf den Teeplantagen arbeiten. Aber es kamen auch andere Leute, darunter Arbei­ter*innen aus der Textilindustrie, aus Lager­häusern, der Fahrzeugproduktion oder der Lebensmittelverarbeitung.

Die Arbeiter*innen in den Tee-Plantagen sind extremer Ausbeutung ausgesetzt und sie verdienen weniger als 1 Euro am Tag bei endlosen Stunden harter Arbeit in drückender Hitze. Meist arbeiten sie jeden Tag, da dies zu ihrem Überleben nötig ist. Daher war es von großer Bedeutung, dass so viele Frauen an der Konferenz teilge­nommen haben.
Als Hauptrednerin hat die IAA-Sekretärin Laure Akai versucht, ihnen die Ideen des Anarchosyndikalismus näher zu bringen. Sie sprach über das Wesen von Ausbeu­tung und Kapitalismus, sowie über die Notwendigkeit diese zu überwinden, um eine egalitäre Gesellschaft aufzubauen.

Doch es ging auch um konkretere Themen und um Organisierung als effektiven Wider­stand gegen die Plantagen-Besitzer*innen. Auch wurde dargelegt, wie Unterstützung durch internationale Solidarität aussehen könnte – beispielsweise indem Druck auf die Eigentümer*innen ausgeübt wird, um die Verhältnisse vor Ort zu verbessern.

Solche Art Solidarität hatte bisher in Bang­ladesch tatsächlich schon konkrete Auswir­kungen in Bezug auf die Bedingungen in der Textilindustrie gehabt. Doch die Lage ist immernoch unerträglich und wird auch nicht annehmbar werden, solange nicht das Elend der Lohnarbeit, welches den Leuten durch das Privateigentum aufgezwungen wird, beendet worden ist.

Man braucht die Leute dort nicht davon zu überzeugen, dass die ihre Lebenslage höchst ungerecht ist oder dass sie ihre Chefs loswerden und ihre Sache selbst in die Hand nehmen sollen, damit es ihnen besser gehen wird. In solch gefestigten, landwirtschaftlichen Gemeinschaften, in denen die Menschen seit Jahrzehnten gemeinsam leben und arbeiten, gibt es ein ausgeprägtes Gefühl der Zusammenge­hörigkeit und Solidarität.

Diese Menschen wissen, dass es ihre Arbeitskraft ist, welche all den Reichtum in der Region hervorbringt, an dem sie sich je­doch leider nicht selbst erfreuen können. Die Themen der Konferenz wurden daher gut angenommen und ein anderer Genosse hielt eine weiterführende Rede.

In Bangladesh gibt es zwar keine wirklich anarchistische Tradition, aber eine starke kommunistische, der noch heute viele Leute anhängen. Da einige der Anwesen­den früher [autoritäre] Kommunist*innen waren und solche Leute auch heute noch versuchen in der Gegend zu agitieren, dachten die Genoss*innen, dass es eine gute Idee wäre, auf die Unterschiede zwischen diesen Ideen einzugehen und vielleicht etwas über die Geschiche zu erzählen.

Mit ihrer persönlichen Erfahrung in der Sowjetunion und dem Ostblock konnte die IAA-Sekretärin nicht nur etwas über die Geschichte der verratenen Revolution bei­tragen. Sie konnte darüber hinaus auch darlegen, wie Macht korrupt macht und wie sich der sogenannte „Kommunismus“ entwickelt hatte. Die Arbeiter*innen waren nicht überrascht als die erfuhren, dass viele der früheren pseudo-kommunistischen Eli­ten heute Privatisierungsgewinner*innen, Oligarch*innen und Geschäftmogule geworden sind.

Im Anschluss an die öffentliche Konferenz gab es mit den Genoss*innen, die ihre Organsiation aufbauen wollen, noch weitere Diskussionen über verschiedene Themen. Sie teilten mit, dass sie mit der Konferenz sehr zufrieden seien und dass sie nächstes Mal etwas Größeres vorbereiten möchten, mit mehr Teilnehmer*innen und vielleicht mehr Redner*innen.

Die Sekretärin der Internationale bedankte sich bei den Genoss*innen für die Organi­sation der Veranstaltung und die Gast­freundschaft, vor allem bei dem Genossen Shihab für all die Hilfe bei der Übersetzung während der Konferenz. Aber in erster Linie möchte sie ihnen im Namen von vielen Genoss*innen in der IAA viel Glück beim Aufbau einer anarchosyndikalistischen Bewegung in dieser Region wünschen.

(http://www.iwa-ait.org)

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BANGLADESCH
Solidarität mit dem Kampf der Textilarbeiter*innen

Das kapitalistische System beutet die Arbeitskraft aus, um Gewinn zu machen, und eines der Zentren der globalen Ausbeutung ist Bangladesch. In diesem Land, das nach China der zweitgrößte Exporteur der Bekleidungsindustrie ist, werden Textilien für viele der weltweiten Kleidermarken hergestellt. Die Arbeiter*­innen leiden unter schlechten Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen und sind gezwungen zu niedrigsten Löhnen zu arbeiten.

Aktuell liegt das Mindesteinkommen auch angesichts langer Werktage nur bei umge­rechnet 54 Euro im Monat. Verschiedene Branchengewerkschaften fordern daher eine Anhebung des monatlichen Mindest­lohns auf 162 Euro. Bei einer Verhandlung Anfang Juli gab es jedoch keine Ergebnis­se, da die führenden Bekleidungsunter­nehmen die Forderung als „unmöglich“ zurückweisen. Ein erneuter Vorschlag für einen Mindestlohn wurde auf den 16.07. vertagt. [Anfang Sept. soll gestreikt werden]

In den Wochen zuvor hatten die Textil­arbeiter*innen für höhere Löhne demon­striert, wobei unter anderem auch die Nationale Textilarbeiter*innen-Föderation (NGWF) gemeinsam mit anderen Gewerk­schaften auf die Straße ging. Am gleichen Tag hatten auch Arbeiter*innen eines Bekleidungsunternehmens gestreikt, denen ihr Lohn vorenthalten wurde. Die Arbeiter*­innen der Firma „Gold Star Design“ hatten bereits vor einigen Monaten Probleme mit der Entlohnung, konnten aber die Chefs dazu bringen ihre Einkommen auszuzahlen.

Daraufhin wurde das Werk jedoch ge­schlossen und die Arbeiter*innen sich selbst überlassen. Doch diese waren nicht bereit einfach Ruhe zu geben und hatten daher am 10.07. fast eine Stunde lang eine Hauptstraße blockiert, bevor sie von der Polizei vertrieben wurden.

Das Sekretariat der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation erklärt sich nun solidarisch mit diesem Kampf. In Ablehnung von Chefs, welche sich an der Arbeit anderer bereichern, informiert die IAA rund um den Globus über die Ziele des Anarcho­syndikalismus, damit es einst keine Chefs mehr geben und die Wirtschaft vergesell­schaftet, kollektiviert und von den Arbeiter*­innen und Kommunen selbstverwaltet betrieben wird.

Schluss damit, die Chefs nur um Krümel zu bitten: Wir wollen die ganze Bäckerei!
Schritt für Schritt zur Sozialen Revolution!

Weg mit der Ausbeutung:
Organisierung und Widerstand!

(http://www.iwa-ait.org)

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BRITANNIEN
Rückblick auf 5 Monate Aktionen in Brighton

Eine Zusammenfassung der Aktivitäten seit Jahresanfang, welche die aktuellen Fälle bis Mai 2018 darstellt:

Nachdem die Basisgewerkschaft Solidarity Federation (SF-IAA) 2017 viel beschäftigt war, was zu einigen Erfolgen geführt hatte, sieht es so aus als ob sie 2018 noch um­triebiger wird. In den ersten fünf Monaten des Jahres haben sie in der südenglischen Stadt viele Fälle bearbeitet, sowohl mit ihrer Mieter*innen-Gewerkschaft, wie auch bei Arbeitskonflikten.

Wenn man sich einer so großen Aufgabe stellt, wie sie es getan haben, dann entsteht immer der Eindruck, man hätte noch viel mehr tun können. Dahbei werden die geführten Kämpfe allzu schnell wieder ver­gessen. Aus diesem Grund hält es die SF-IAA Brighton für wichtig, ihre Aktionen auf­zulisten und auf einige der bisherigen Er­gebnisse hinzuweisen. Zumindest lässt sich damit verdeutlichen, dass der Widerstand gegen abkassierende Vermieter*innen und ausbeutende Chefs auch gewonnen wer­den kann, wenn er gemeinsam geführt wird.

Das Jahr hatte begonnen mit dem erfolg­reichen Ende eines langandauernden Kon­fliktes beim „Café Plenty“, wo nach mehre­ren Protestkundgebungen Ende 2017 die Zahlung eines Großteils des vorenthaltenen Lohns von fast 8.500 Euro durchgesetzt werden konnte. Das macht Mut für‘s kommende Jahr.

Neben „Café Plenty“ wurden auch zwei weitere Fälle vom Vorjahr weitergeführt – einer davon ein Wohnraumkonflikt mit der Mietagentur „G4 Lets“, der im März erfolg­reich beendet wurde. Die Mieter*innen kon­nten mit Hilfe der SF durch eine Auflist­ungskampagne beweisen, dass die Agentur gegen die lokalen Gesundheitsvorschriften verstoßen hatte.

Damit hatten die Bewohner*innen ein aus­reichendes Druckmittel gefunden und be­schlossen zum Erreichen ihres Zieles lieber den anscheinend erfolgsversprechenden Rechtsweg einzuschlagen, anstatt direkte Aktionen durchzuführen.
Die Anarchosyndikalist*innen der Solidarity Federation wünschten den Mieter*innen daraufhin viel Erfolg mit ihrem neu eingeschlagenen Kurs.

In diesem Zusammenhang hatten sie auch einen gutbesuchten Workshop zum Miet­recht organisiert, bei dem es speziell um die Probleme von Mieter*innen bei „G4 Lets“ ging, welche zu den größeren Zimmervermittlungen für Studierende in Brighton gehört.

Nach Beendigung des Konfliktes hatten mehrere Mieter*innen von „G4 Lets“ Kon­takt zur SF Brighton aufgenommen und sich beraten lassen. Daraufhin bekam eine Gruppe Mieter*innen ihre Kautionen zurückgezahlt.

Bei dem anderen Fall, den sie seit 2017 betreuen, handelt es sich um „Youngs“. Dabei geht es um einen Mieter, der wegen schwerem Schimmelpilzbefall sein Schlaf­zimmer monatelang nicht nutzen konnte. Er hat selbst eine Menge Geld und Zeit aufge­wendet, um die Schäden zu beheben, da ihm versprochen worden war, dass er alles erstattet bekäme.

Dieser Konflikt hat die SF Brighton auch dieses Jahr maßgeblich beschäftigt. Im Januar gab es eine Demo zu der Agentur, um Stärke zu zeigen gegen solch ein Verhalten. Der Fall ist noch nicht beendet, da seitens der Agentur und des Vermieters der Streit weiter eskaliert wurde, unter anderem durch einen Räumungsversuch als Bestrafung für den widerständigen Mieter. Und kürzlich kam es auch noch zu Gewalttätigkeiten gegenüber Mitgliedern der Gewerkschaft.

Die SF hat den Konflikt auf die Vermitt­lungsagentur „Halls“ ausgeweitet, welche Büroräume an „Youngs“ vermietet, wobei gefordert wird, dass diese nun selbst ge­räumt werden sollen. Die Solidarity Fede­ration ist fest entschlossen sich nicht kleinkriegen zu lassen und führt daher ihre Kampagne verstärkt fort.

Neben diesen großen Fällen haben sie sich in den vergangenen Monaten aber auch um kleinere Angelegenheiten gekümmert. Im Februar wurde ein Konflikt mit einer der eher genossenschaftlichen Vermittlungs­agenturen in der Stadt begonnen, nachdem diese u.a. eine Mietkaution teilweise zurückgehalten hatte.

Trotz der Versuche dieser Agentur die Gewerkschaft mit juristischen Mitteln ein­zuschüchtern, konnte die Ausweitung der Kampagne das gewünschte Ergebnis erreichen, sodass der Mieterin ihre Kaution, wie gewünscht ausgezahlt wurde. Zudem gab es noch einige kürzere Auseinander­setzungen, wie das Erreichen der Auszah­lung von über 1.300 Euro ausstehender Löhne in einem Sushi-Restaurant, nach­dem nur eine einzige Kundgebung vor dem Laden durchgeführt wurde.

Oder der Sieg im Arbeitskampf mit einer großen Hotelkette ebenfalls nach der ersten Protestversammlung (darüber wurde noch nicht berichtet, da es erst kürzlich stattge­funden hat). Und schließlich das Erkämpfen von mehr als 1.000 Euro Schulden von einer örtlichen Reinigungsfirma, nur durch Androhung einer Kundgebung.

Doch das Ziel geht über die Hilfe in Einzel­fällen und den erfolgreichen Abschluss hinaus: Als anarchosyndikalistische Ge­werkschaft will die SF-IAA eine Kultur der Solidarität und Widerständigkeit zwischen den Arbeiter*innen aufbauen. Jeder Kampf, der am Ende gewonnen wird, ist ein Schritt in Richtung dieses Zieles. Denn er zeigt, dass wir gegen die Chefs und Vermie­ter*innen gemeinsam etwas erreichen können.

Doch auch Konfikte, die nicht zu einem klar erkennbaren Sieg führen, wie die Kam­pagne gegen „G4Lets“, sind wichtig für den Aufbau von Solidarität und Widerstand. Sie vermitteln den Makler*innen ein deutliches Zeichen, dass die Gewerkschaft sogar in schwierigen Fällen zu einer monatelangen Kampagne bereit ist.

Durch diesen Kampf wird auch unabhängig von den Erfolgsaussichten den Vermieter*­innen und Vorgesetzten klar gemacht, dass sie in Brighton mit ihrem Verhalten nicht mehr einfach so davonkommen.

Und nichts ist erfreulicher als die Dank­sagungen in E-Mails, die die SF gelegent­lich von Mieter*innen oder Arbeiter*innen erhalten, in denen sie mitteilen, dass es möglich war, ein Problem mit der Wohnung oder am Arbeitsplatz dadurch zu lösen, dass damit gedroht wurde, die Solidarity Federation um Unterstützung zu bitten. (…)

Die Gewerkschafter*innen organisieren sich weiterhin an ihren Arbeitsplätzen, wobei sie oftmals Fähigkeiten, Selbstvertrauen und Taktiken für sich selbst anwenden konnten, die sie in den genannten Fällen erworben hatten. Damit festigen sie die längerfristige Stärke im Betrieb, ebenso wie die Kultur des gemeinsamen Protestes zur Verbesse­rung der eigenen Lebensumstände.

Alles in allem verspricht dadurch der Rest des Jahres gut zu verlaufen, denn die SF -IAA arbeitet weiter daran, den Anarcho­syndikalismus in Brighton Wirklichkeit werden zu lassen, indem sie den Kampf mit den Chefs und Vermieter*innen aufnimmt. Denn die Gewerkschafter*innen lassen sich nicht vertreiben und wollen damit auch nicht so schnell wieder aufhören!

(http://www.iwa-ait.org)

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NIEDERLANDE
ASN-Workshop bei „Pinksterlanddagen“

Im Rahmen des des 85. anarchistischen Pfingstcamps im niederländischen Örtchen Appelscha (bei Groningen) hat am 20.05. unter anderem ein Workshop zum Thema „Internationaler Anarchosyndikalismus“ stattgefunden.

Auf Initiative des Anarchosyndikalistischen Netzwerks Köln kamen mehrere Mitglieder des Vrije Bond und andere Anarchist*innen zu einer Präsentation von Arbeits- und Sozialkämpfen freiheitlicher Basisgewerk­schaften in mehreren Ländern zusammen.

Gemeinsam tauschten sie ihre praktischen Erfahrungen aus und diskutierten die glo­bale Lage dieser Bewegung, besonders der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation (IAA).

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CC: BY-NC